Wespen

Zum Andenken an das Hundertjährige Ringreiten am 15. Mai 1955 kann hier die Festschrift von Paul Wille nachgelesen werden:

Festschrift

über das Hundertjährige Ringreiten in Wespen

Weil in diesem Jahre die Centenarfeier unseres Ringreitens stattfinden sollte, wurde gleich bei der ersten Versammlung beschlossen, dass nicht wie in anderen Jahren nur jugendliche Reiter sondern auch ältere Generationen mitreiten konnten. Die ganze Veranstaltung sollte größer wie in anderen Jahren aufgezogen werden. Gleich bei der ersten Veranstaltung wurde das Festkomitee gewählt und zwar als Leiter des Festes Karlheinz Große, der diesen Posten in diesem Jahre zum 7.ten Male als Hauptmann bekleidete. Ferner wurden gewählt, aus dem Kreise der:

Die Jugendlichen: Die alte Generation:
Horst Schöne Paul Wille
Fritz Randel Max Schöne
Rudi Enderling Paul Enderling
Otto Mischur Albert Wehmeyer
Anton Pelzetter

Die Bekanntmachung unserer Feier wurde gemacht durch die Zeitung Volksstimme und durch Aushänge in allen benachbarten Ortschaften. Da ein großer Besuch zu erwarten war, wurde eine Tanzdiele in Größe von 8 x 8 m von Möckern geholt die ihren Platz in dem neben der Gastwirtschaft gelegenen Hermann Bettgen’schen Garten fand.

Der Beginn des Festes war um 14 Uhr. Die Musik - 8 Mann - stellte die Musikzentrale des Kreises Schönebeck, Nebenstelle Calbe.

Auf dem Sammelplatz wurde von Carlheinz Große die Begrüßungsansprache gehalten. Mit Marschmusik ging sodann der Marsch durch einen Teil des Dorfes nach unserem alten schönen Anger. Eine Anzahl der Reiter der älteren Generation war in alten Trachten erschienen was der Feier einen würdigen Anblick gab. Auf dem Anger angekommen erfolgte eine Ansprache von dem ältesten Reiter Wille, der auf die Bedeutung des Tages hinwies, denn Wespen kann für sich in Anspruch nehmen, überhaupt den Anfang mit dem Ringreiten gemacht zu haben, man kann wohl behaupten in ganz Deutschland. Als Anstifter des Ringreitens betrachten wir einen Christian Krause, geboren lt. Kirchenbuch am 16.10.1805 in Wespen, er war Bauer und langjähriger Ortsschulze und Besitzer der jetzigen Bertram’schen Wirtschaft, er hatte bei den Schönebecker Husaren Nr. 10 (den grünen) gedient. Aus großer Liebe zur Reiterei veranstaltete er mit der Jugend 1855 das erste Ringreiten. (Anm. des Verfassers: das nebenstehend über Christian Krause geschriebene, wurde mir von meinem Vater Friedrich Wille erzählt, der sich des ersten Ringreitens noch erinnern konnte, er war geboren am 12.10.1845.)

Mit den Jahren hat unser Ringreiten den Charakter eines Volksfestes angenommen, wo Freude und Fröhlichkeit die Hauptrolle spielen. Er schloss mit den Worten: „Möge es unser Dorf vergönnt sein dieses Fest bis in die fernsten Zeiten zu feiern und mit einem Hoch auf unsere Heimatdorf Wespen!“

Sodann begann das Reiten.

Preis Name Präsent
1. Preis Otto Mischur Figur „Pferd mir Fohlen“
2. Preis Werner Große Bild „2 Pferdeköpfe“
3. Preis Rolf Konstabel Bild „1 Pferdekopf“
4. Preis Horst Schöne Figur „1 Pferd“
5. Preis Peter Rehse Bild „Pferdekopf“

Allgemeine Heiterkeit erregte der 13jährige Joachim Bettge, der auf seinem kleinen Panjepferde als Clown verkleidet das ganze Publikum zum Lachen brachte, er galoppierte öfter bis zum Galgen, stieg aus dem Sattel, holte den Ring herunter und galoppierte dann wieder weiter. Nach der Bekanntgabe der Preise wurde abmarschiert durch den anderen Teil des Dorfes und auf dem Platz bei Fritz Bettges Scheune, von dort aus trennten sich die Reiter und der gemütliche Teil des Festes nahm seinen Anfang.

Leider war das Wetter recht kühl, wir hatten aber insofern Glück, dass es wenigstens trocken blieb. Es wurde tüchtig getanzt auf dem Saal des Gastwirts Richter und auf der Tanzdiele im Hermann Bettge’schen Gartens, dort war auch ein Bierausschank und die Sitzgelegenheit war völlig besetzt. Überall herrschte eine Stimmung wie man es nicht besser hätte erwarten können. Zur Hebung der Gemütlichkeit wurden erfreulicherweise von dem Gesangsverein unter Stabführung des Herrn Lehrers Alheit mehrere Lieder vorgetragen, die großen Applaus ernteten. Aus Nah und Fern waren fröhliche Gaste, Verwandte und Bekannte erschienen, ganz besonders erfreulich war es, dass eine Anzahl früherer Ringreiter selbst weite Wege nicht gescheut haben und sich heute gern der Zeit erinnerten, wo sie als junge Kerle hier in Wespen bei den Pferden waren und selbst mitgeritten haben, dies wurde nach alter deutscher Art so recht begossen.

Paul Wille,
Oberinspektor i.R.

Wespen im Juni 1955

Fotogalerie

Einzug der Reiter
Galgen umlegen
Verabschiedung
Tanzdiele
Ringreiten
... zum Anger
... geht es vorbei an der Kirche
Mit Marschmusik ...
Sammelplatz